• Geschiedenis

Abbruch und Wiederaufbau

In 1971 wurden die letzten Baracken abgerissen oder an Bauern verkauft. Vier Jahre vorher war das erste Radioteleskop auf dem Gelände des Lagers Westerbork aufgestellt, und ab 1967 folgten noch 13 weitere.
Obwohl die Aufmerksamkeit für die Kriegsgeschehnisse kurz nach der Befreiung groß war, wurde dem Holocaust, der systematischen Vernichtung der Jüdinnen und Juden, kaum gedacht. Dies galt auch für das Lager Westerbork. In den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg gab es keine Unterstützung für ein Denkmal, auch nicht von jüdischer Seite aus.

Das änderte sich Ende der sechziger Jahre. Der Verfolgung der Juden wurde mehr Aufmerksamkeit entgegengebracht. Dann wird eine neue Initiative der Provinzverwaltung von Drenthe zur Realisierung eines Denkmals breit unterstützt. Wenngleich die Kriegsgeneration noch kein Bedarf nach einem Erinnerungsort hatte, war das für die zweite Generation anders. Das Ergebnis war das 1970 von Königin Juliana enthüllte Nationaldenkmal. Der Entwurf, worin die Eisenbahngleise wesentlich sind, stammte vom ehemaligen Lagergefangenen Ralph Prins.

Manja Pach
Dieses sich verändernde Klima war notwendig, um ausreichende Unterstützung für den Wunsch nach einer Informationsmöglichkeit über das Lager Westerbork in der Nähe des historischen Ortes zu realisieren. Der erste Gedanke hierzu entstand am 4. Mai 1971. Die 25-jährige Manja Pach, Kind eines Lagerüberlebenden, befand sich an diesem Tag um acht Uhr abends im Nationaldenkmal. „Auf dem Lagergelände waren sie mit dem Abriss beschäftigt und das ging um acht Uhr einfach weiter. Das war so absurd, ich war so perplex [...]. Tatsächlich konnte ich nur an eines denken: Jetzt muss sofort Schluss sein mit Abreißen!“

Herinneringscentrum
In den nächsten Jahren wurden geringfügige Anpassungen vorgenommen, um diesen historischen Ort besser erkennbar zu machen. 1974 wurde eine Vitrine mit Informationen auf dem Gelände aufgestellt, zwei Jahre später folgte ein Modell. 1979 wurde beschlossen, das Herinneringscentrum Kamp Westerbork zu bauen. Die störungsfreie Zone der Teleskope macht es erforderlich, dass Museum in 3 Kilometern Entfernung vom ehemalige Lagergelände zu bauen.
Am 12. April 1983, fast vierzig Jahre nach der Befreiung, wurde es von Königin Beatrix offiziell eröffnet. Die Zahl der Besucherinnen und Besucher stieg von 40.000 in den ersten Jahren auf gegenwärtig 170.000 im Jahr.

Mit dem zunehmenden Besuch wurde die mangelnde Sichtbarkeit des Lagers immer deutlicher. Obwohl einige ursprüngliche Konstruktionen erhalten geblieben waren – Kartoffelbunker, SS-Schutzbunker und die neue Wasseraufbereitung – schien das Lager Westerbork vom Erdboden verschwunden zu sein. Eine Konstante in den Reaktionen: keine Baracken. Anfang der neunziger Jahre beschloss das Herinneringscentrum Kamp Westerbork eine symbolische Neugestaltung des Lagergeländes. Am 16. Juni 1992 wurde das umgestaltete Gelände des Lagers Westerbork von Prinzessin Margriet offiziell enthüllt.

Wagons und Baracke 56
Seitdem hat sich auf dem Lagergelände wieder viel verändert. Die Gesprochenen Namen klingen jetzt von zwei originalen Güterwagons auf der Rampe, dem Ort im Lager, an dem während des Zweiten Weltkriegs die Züge in Richtung Osten abfuhren. Alle 107.000 Namen der deportierten Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma werden werden am entsprechenden Tag in der Kriegszeit genannt. Das Haus des Lagerkommandanten steht unter einer Glaskuppel. Die Baracke 56 ist teilweise mit authentischen Barackenteilen rekonstruiert. An anderen Orten geben Silhouetten aus Cortenstahl einen Eindruck von den Gebäuden im Lager.

In der Mitte des Lagergeländes befindet sich die aus authentischen Barackenteilen gebaute Markierung Schattenberg, die an die 20-jährige Wohnzeit der Molukken erinnert.
Eines dürfen wir jedoch nicht vergessen: Das Lager Westerbork existiert nicht mehr. Es gibt einen historischen Ort, es gibt einige originale Konstruktionen und historische Artefakte, aber es gibt kein Lager mehr. Und es kommt nicht zurück, was man auch tut. Das ist das Paradox des Umgangs mit dem Erbe des Verlusts: Wie kann man das Verlorene erleben, etwas fühlen, das nicht mehr da ist? In diesem Bewusstsein und mit dieser Frage als Leitfaden will das Herinneringscentrum Kamp Westerbork versuchen, die Beziehung zur Vergangenheit in den kommenden Jahren so gut wie möglich sichtbar zu machen.

 

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