• Geschiedenis

Wohnort Schattenberg

1951 erhält das Lager Westerbork seine nächste Funktion: als Wohnort für Einwohner der Molukken, einige Inseln in Indonesien. Seit Generationen dienten molukkische Männer in der KNIL (Königliche Niederländisch-Indische Armee), waren der Königin und der Kolonialmacht treu ergeben. So hatten sie im Zweiten Weltkrieg auf Seiten der Niederlande und danach gegen die indonesischen Nationalisten gekämpft.
Als die Republik Indonesien 1949 unabhängig wurde, folgte die Auflösung der KNIL. Aber aufgrund des ausgebrochenen Unabhängigkeitskampfes auf den Inseln Molukken war die Demobilisierung auf Ambon für Soldaten von molukkischer Abstammung unmöglich. Es wurde beschlossen, sie und ihre Familienmitgliedern vorübergehend in den Niederlanden unterzubringen.

Mehr als 12.000 Molukken kamen in die Niederlande.

Bei ihrer Ankunft in den Niederlanden wurde die Molukker mitgeteilt, dass sie aus der Armee entlassen wurden. Schwer enttäuscht gab es für sie keine andere Option, als auf ihre Rückkehr zu warten. Besonders zu Beginn wurde noch an militärischen Traditionen festgehalten: Uniformen, der tägliche Appell und Aufrechterhaltung von Hierarchien und militärischen Rängen. Doch Frustration und Langeweile schlugen bald durch, auch, weil die Männer keiner bezahlten Arbeit nachgehen durften. Sie waren tagsüber Zuhause, halfen bei Familienführung oder hingen in der Kantine herum. Vom CAZ (Kommissariat für die Ambonen-Betreuung) organisierte Kurse und die illegale Arbeit bei Landwirten in der Umgebung sorgten für etwas Ablenkungen und zusätzliches Einkommen.

Erst nach der Einführung der Selbstversorgung im Jahr 1956 bekamen immer mehr Männer eine feste Anstellung. Sie waren dann oft den ganzen Tag oder die ganze Nacht fort.

Für die Kinder war der Wohnort Schattenberg eine ideale und sichere Umgebung. Das alltägliche Leben bestand für die aus Schulbesuch und spielen. Die Grundschule war im Wohnort. Für die weiterführende Bildung waren die Kinder auf Schulen in Beilen und Assen angewiesen Eine Liniendienst mit dem Bus von Harmanni sorgte für Mobilität. Der Wohnort bot zahlreiche Spielplätze und die direkte Umgebung natürlich viele Möglichkeiten für Kinderunterhaltung. Die Spiele, die gespielt wurden, waren eine Fortsetzung der Spiele aus dem Herkunftsland.

Woonoord Schattenberg war ziemlich isoliert. Es war eine Wohngemeinschaft für sich, in der wenig Kontakt zur Außenwelt bestand. Die Bewohnerinnen und Bewohner wurden vom niederländischen CAZ (Kommissariat für die Ambonen-Betreuung) von der Wiege bis zur Bahre versorgt. Es gab eine Schule, ein Krankenhaus, ein Theater, ein Kino und ein Badehaus. Händler kamen, um ihre Waren anzubieten, oder eröffneten nach der Einführung der Selbstverpflegung einen Laden im Wohnort.

Verlassen und Auflösung
Zwanzig Jahre lang war Wohnort Schattenberg ein zuhause für Molukker, bis zur Auflösung im Jahre 1971.

Im Laufe der Jahre fanden Umzüge innerhalb und nach außerhalb des Wohnortes statt. Ein Großfeuer von 1958, bei dem drei Barracken völlig in Flammen aufgingen und eine vierte unbewohnbar wurde, hatte weitreichende Folgen. Viele Familien mussten den Wohnort verlassen. Es würde der Beginn einer größeren Abwanderung sein.

Auflösung des Wohnortes
Für die niederländische Regierung war schon damals klar, dass die Rückkehr zu den molukkischen Inseln eine Illusion war und dass sich die Molukker in die niederländische Gesellschaft integrieren müssen. Obwohl versprochen wurde, dass die Bewohner in Schattenberg bleiben könnten – und es sogar neue Baracken geben würde – beschloss die Regierung Ende der fünfziger Jahre, den Wohnort langfristig aufzulösen. Trotz des Widerstandes mussten die Bewohnerinnen und Bewohner schließlich die neue Situation akzeptieren, manchmal auch im Bewusstsein der Vorteile von besserer Wohn- und Schulmöglichkeiten für die Kinder.

Assen
1964 und im darauffolgenden Jahr ließ sich der größte Teil der Gemeinde in einem eigens errichteten Wohngebiet in Assen nieder. Die letzten Bewohnerinnen und Bewohner sollten Anfang 1971 – unter Zwang – ausgewiesen werden und nach Bovensmilde umziehen. Kurz darauf wurden die letzten Baracken abgerissen. Vom Wohnort Schattenberg / Lager Westerbork war kaum noch etwas übrig.

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  • Unesco

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