Untertauch

Schätzungsweise haben 25.000 jüdische Niederländer versucht, den Deportationen durch Untertauchen zu entkommen. Für alle war es eine schwierige Entscheidung unterzutauchen. Der Sicherheitsdienst (SD) und niederländische Handlanger führten strenge Kontrollen durch und machten Jagd auf Juden. Unterzutauchen bedeutete, dass man „unsichtbar“ werden musste.

Gemeinhin benötigte man zum Untertauchen viel Geld. Es gab so gut wie keine Verstecke, wo die Helfer bereit und in der Lage waren, die Untergetauchten vollständig zu versorgen. Irgendwohin zu gelangen, war ebenfalls ein großes Problem, denn Autos gab es kaum und mit öffentlichen Verklehrsmitteln zu reisen, war aufgrund der scharfen Kontrollen beinahe unmöglich.

Manche Eltern gaben ihre Kinder in die Hände von Organisationen, die den Unterschlupf regelten. Sie lebten dadurch in einem Zustand der ständigen Besorgnis. Manchmal holten sie ihre Kinder zurück, manchmal stellten sie die Bedingung, dass sie im Falle einer Deportation ihre Kinder mitnehmen wollten. Einige Eltern entschieden sich bereits im Vorfeld, von einer solchen Untertauchmöglichkeit abzusehen.

Von den Juden, die während des Zweiten Weltkrieges in unserem Land untertauchten, haben möglicherweise zwei Drittel den Krieg überlebt. Da sich das Untertauchen im Verborgenen abspielte, sind keine genauen Zahlen bekannt.

Organisationen
Den Juden halfen in der Regel nichtjüdische Niederländer. Organisationen wie die „Landesweite Hilfsorganisation für Untergetauchte“ und Studenten des „Utrechter Kinderkomitee“ halfen dabei, jüdische Erwachsene und Kinder aus der Öffentlichkeit verschwinden zu lassen. Dies war äußerst riskant. Es waren nicht allein nervenaufreibende Tätigkeiten, hinzu kam das permanente Risiko, dass bei Endeckung die Todesstrafe drohte.

Es sind beeindruckende Beweise von Mut und Mitmenschlichkeit bekannt. Aus dem Kinderhort, gegenüber der „Hollandsche Schouwburg“ in Amsterdam, wurden beispielsweise mehr als 600 Kinder gerettet, immer mit Zustimmung der Eltern. Dabei wurden viele Tricks angewandt, vor allem bei Spaziergängen. Ein deutscher Bewacher, der die Anzahl der Kinder kontrollieren sollte, wurde ständig in die Irre geführt. Unter normalen Umständen gab es keinen Bewacher vor dem Kinderhort, wohl aber gegenüber vor der „Hollandsche Schouwburg“. Dazwischen (auf der Straße) fuhr eine Straßenbahn. Es kam des Öfteren vor, dass ein illegaler Helfer, mit einem Kind auf dem Arm, in dem Moment aus dem Hort hinauskam, als die Straßenbahn vorbeifuhr und unter Deckung der Straßenbahn bis zur nächsten Haltestelle mitrannte, um dann dort mit dem entführten Kind einzusteigen. Die Fahrgäste sahen dabei beinahe immer zu. Einer der Kinderretter sagte nach dem Krieg:

‘Die ganze Straßenbahn brach in Gelächter aus, sie hatten alle gesehen, wo wir her kamen, aber niemand hat uns verraten.’

Die Kinder, die aus dem Hort an der Plantage Middenlaan entkamen, wurde in den gesamten Niederlanden in Familien untergebracht, insbesondere in Limburg und Friesland. Dort gingen sie häufig zur Schule und überstanden unversehrt den Krieg.

Verrat
Einige Tausend untergetauchte Juden wurden während des Zweiten Weltkrieges verraten. Manchmal war Antisemitismus im Spiel, manchmal gab es Streitigkeiten zwischen dem Verräter und dem Untergetauchten. Häufig wurden festgenommene Juden und Widerstandskämpfer gezwungen, die Unterschlupforte Preis zu geben.

Ab 1943 erhielten Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes (SD) eine Prämie für jeden Juden, der festgenommen wurde. In größeren Städten kamen auch einige Abteilungen der Polizei für derartige Belohnungen in Frage. In Amsterdam nahm die “Kolonne Henneicke“ zwischen März und September 1943 mehr als 8.000 Juden fest. Für jeden festgenommenen Juden erhielten die Mitglieder mindestens 7,50 Gulden “Kopfgeld“. Im Herbst 1944 hatten sich die Prämien auf 40 Gulden pro Jude erhöht. Bei Verhaftungen und Verhören scheuten die Mitglieder der “Kolonne Henneicke“ keine Gewalt.

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