• Geschiedenis

Judendurchgangslager

Ende des Sommers 1941 wurde beschlossen, dass 1942 die 'Entjudung' der Niederlande anfangen sollte. Die Juden sollten in Arbeitslager in Osteuropa geschickt werden. Für einen möglichst reibungslosen Ablauf brauchten die Nazis ein Durchgangslager. Man entschied sich für das zu diesem Zweck äußerst geeignete Flüchtlingslager in Westerbork. Ende 1941 wurde beschlossen, Westerbork für Deportationszwecke einzurichten. Die Kosten, u.a. für den Ausbau des Lagers mit 24 großen Baracken, wurden aus beschlagnahmten jüdischen Vermögen bestritten. Ab dem 1. Juli 1942 war das Lager als „Polizeiliches Judendurchgangslager Westerbork“ der Ausgangspunkt von insgesamt 93 Zügen nach Auschwitz, Sobibor, Theresienstadt und Bergen-Belsen.

Das Lager musste so gut wie möglich als normales Dorf funktionieren, war aber eine Scheinwelt in der es Lehrangebote und Sport gab, wo mit der eigenen Währung in Lagerwarenhaus und Lagerkantine bezahlen konnte. Es gab sogar eine Wechselstube, in der das letzte „normale" Geld gegen die Banknoten des Lagers Westerbork eingetauscht werden konnte. Die Lagerorganisation hatte viele Abteilungen. Es gab eine umfangreiche Verwaltung, wo die Bewohnerliste des Lagers geführt wurde, wo man die Transportlisten aufstellte und wo der zur Verfügung stehende Wohnraum verteilt wurde. Es gab einen Laden, eine Kantine und ein Postamt. Es gab ein sehr großes Krankenhaus. Der lagereigene Bauernhof lieferte der zentralen Küche Fleisch, Gemüse und Kartoffeln. In den Werkstätten wurden unter anderem Schuhe, Nähmaschinen, Matratzen, Kleidung und Bürsten hergestellt. Die Lagerinsassen zerlegten in den Demontagebetrieben Flugzeugwracks, Batterien, Kabel und Geräte.In der Registrierungsbaracke wurden am Dienstagabend Revuen und Konzerte gegeben und Theaterstücke aufgeführt.

Kinder
Die Kinder im Lager mussten wie zu Hause in die Schule gehen. Für die Kinder von 1 bis 6 Jahren gingen Kinderkrippe und Kindergarten ineinander über. Für die älteren Kinder galt bis 15 Jahren Schulpflicht. So führten die jüngsten Lagerbewohner tagsüber ein möglichst normal scheinendes Leben. Da die Lehrkräfte jede Woche deportiert werden konnten, hing die Ausbildung auch von ein- und ausgehenden Transporten ab.

Krankenversorgung
Dass die Nazis großen Wert darauf legten, den Schein zu erwecken, dass sie es mit den Juden gut meinten, zeigt sich am deutlichsten in der Anwesenheit eines Krankenhauses im Lager. Durch seine Einrichtung und die Sachkenntnis der jüdischen Ärzte war es eines der besten in den Niederlanden während der Besatzungszeit. Auf dem Höhepunkt: 1.725 Betten, 120 Ärzte und mehr als 1.000 Krankenpfleger und sonstiges Personal, mit allen möglichen Stationen und Spezialisten. Man tat sein Äußerstes, die Patienten am Leben zu erhalten und zu heilen, um sie danach der Deportationsmaschine auszuliefern.

Gemmeker
Die Organisation dieses Tages war seit Oktober 1942 in Händen des 'SS-Obersturmführers' Albert Konrad Gemmeker. Seine Vorgänger erfüllten die Anforderungen, die die Nazis an das Funktionieren des Lagers stellten, nicht. Man wollte die niederländischen Juden möglichst schnell und geräuschlos deportieren. Das harte Vorgehen der ersten Kommandanten erregte im Lager zu viel Widerstand und Unruhe. Für Gemmeker war es eine Ehrensache, das 'Durchgangslager' perfekt funktionieren zu lassen, reibungslos und ohne Zwischenfälle. Er gab sich als ein anständiger Herr, der die Juden korrekt behandelte.In den Lageralltag griff dieser absolute Herrscher kaum ein. Seine wichtigste Sorge war die Erfüllung der Aufgabe, die wöchentlich festgelegte Anzahl Juden zu liefern. Die Organisation überließ er den Gefangenen.

Transporte
Vom Lager Westerbork aus fuhren 93 Züge in Richtung der Lager in Ost-Europa. Am 15. und 16. Juli 1942 wurden die ersten Gefangenen nach Auschwitz deportiert: 2030 Jüdinnen und Juden, darunter einige Waisenkinder.
Bis zum 12. Oktober 1942 fuhren zweimal die Woche insgesamt 24 Züge mit 23.700 Juden ab. Sie alle verbrachten nur eine kurze Zeit in Westerbork, manche nur um registriert zu werden. Ab Anfang Februar 1943 gab es einen wöchentlichen Rhythmus: jeden Dienstag fuhr ein Zug mit durchschnittlich 1.000 Personen ab. Es wurden ab dann fast nur Güterwaggons benutzt.
Um unnötige Unruhe zu verhüten, wurde erst wenige Stunden vor Abfahrt bestimmt, wer wohl und wer nicht auf den Transport geschickt werden sollte. In aller Eile wurden in der Nacht vom Montag zum Dienstag die endgültigen Transportlisten aufgestellt. Diese wurden wieder in Barackenlisten aufgeteilt. Der Barackenleiter hatte die Aufgabe, die Namen vorzulesen. Wenn man seinen Namen hörte, wusste man, was zu tun war. Sachen packen in Koffer, Rucksack, Reisetasche, mit der man in das Lager Westerbork gekommen war, und in den breitstehenden Zug steigen.

Das geschah bis zum 13. September 1944. Dann fuhr der letzte Zug mit 279 Personen nach Bergen-Belsen, darunter 77 Kinder, die im Unterschlupf gefangen genommen worden waren.

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Wegbeschreibung

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